12. Mai 2011

Kritik aus rätekommunistischer und anarchistischer Perspektive am Antisemitismus von links

Category: Allgemein — admin @ 20:39

Über Judenfeindschaft in der politischen Linken des 20. Jahrhunderts wurde in den vergangenen Jahren viel geschrieben. Dieser Antisemitismus führt aber nicht nur heutzutage zu heftigen Debatten, sondern stieß bereits zu seiner Zeit auf Kritik von anarchistischer, kommunistischer oder sozialistischer Seite – allerdings stets von einer Minderheit. Franz Pfemfert, Rätekommunist, Mitbegründer der KPD und Herausgeber der Zeitschrift „Die Aktion“, gehörte zu den frühen Kritikern des Bolschewismus und wies in den 1920er Jahren wiederholt auf den Nationalismus und Antisemitismus in der KPD hin. 1937 bezog sich Trotzki in seinem Text „Thermidor und Antisemitismus“ auf Pfemferts frühe Warnungen.
Während ihrer Zeit in Sowjetrussland sammelten die US-amerikanische Anarchistin Emma Goldman und ihrer Lebensgefährte Alexander Berkman Berichte von Jüdinnen und Juden über eine neue Bedrohung. Während einige von ihnen den bolschewistischen Machthabern dankbar waren, sprachen andere von „stillen Pogromen“. Ein Jude erklärte Goldman und Berkman, dass es zwar keine Pogrome gegeben hatte, seit die Bolschewiki an die Macht gekommen waren, aber er war mit den jüngeren Schriftstellern in Kiew der Meinung, der Bolschewismus habe „die antisemitische Einstellung der Massen verstärkt“. Von diesen Gesprächen berichtete Alexander Berkman 1925 in seinem Buch „Der bolschewistische Mythos. Tagebuch aus der russischen Revolution 1920-1922“. Emma Goldman schrieb 1923 in ihrem Buch „My Disillusionment in Russia“ davon, aber auch in ihrer Autobiografie „Gelebtes Leben“, die 1931 im Original erschien.
Der Vortrag versucht die Motive zu ergründen, warum Berkman, Goldman, Alexandra Ramm-Pfemfert und Franz Pfemfert oder Trotzki etwas thematisierten, das vielen anderen innerhalb der Linken gar nicht auffiel.

Olaf Kistenmacher, Hamburg, ist Historiker. Er betreute die Sendereihe „Antisemitismus von links“ im Freien Sender-Kombinat.

Veröffentlichungen von ihm zum Thema:
• „Mein Leben war mit dem der Juden verknüpft“. Zur Wiederveröffentlichung von Emma Goldmans Autobiografie „Gelebtes Leben“, Jungle World 11, 17. März 2011.
• „Jüdischer Warenhausbesitzer finanziert Nazipropaganda“. Antifaschismus und antisemitische Stereotype in der Tageszeitung der Kommunistischen Partei Deutschlands, der Roten Fahne, am Ende der Weimarer Republik, 1928-1933, in: Gideon Botsch/Christoph Kopke/Lars Rensmann/Julius H. Schoeps (Hg.): Politik des Hasses. Antisemitismus und radikale Rechte in Europa, Hildesheim/New York/Zürich: Georg Olms 2010, S. 97-112.
• Vom „Judenkapital“ zur „jüdisch-faschistischen Legion in Jerusalem“. Zur Entwicklung des „Antizionismus“ in der Kommunistischen Partei Deutschlands in der Weimarer Republik, 1925-1933, in: Associazione delle talpe/Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen (Hg.): Maulwurfsarbeit. Aufklärung und Debatte, Kritik und Subversion, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung 2010, S. 84-95.

19:00 Planwirtschaft, Werderstr. 28

09.06.2011

13. April 2011

Veranstaltung Genderkonstruktionen im Kapitalismus

Category: Allgemein — admin @ 19:56

Genderkonstruktionen im Kapitalismus

Veranstaltung mit Jos Schäfer- Rolffs

In der Diskussion um die Rollen der Geschlechter wird häufig von
einer natürlichen Trennung von Mann und Frau gesprochen, die
so bereits in allen Epochen der Gesellschaft Bestand hatte. Zwar
habe es in der Entwicklung der Menschheit viele Veränderungen
in Gesellschaft und Individuum gegeben, aber die Unterschiede
bei den Rollen der Geschlechter seien höchstens marginal, wenn
sie überhaupt angenommen werden. So werden eben auch
Beschreibungen der Vergangenheit – nicht nur in
populärwissenschaftlichen Darstellungen – an die gängigen
Geschlechterbilder angepasst und so beispielsweise die Trennung
von männlicher Feld- und weiblicher Heimarbeit nicht nur auf das
Mittelalter übertragen, sondern sogar auf die Steinzeit. Ein Blick
auf historische Quellen zeigt aber, dass es diese vertraute und
scheinbar naturwüchsige Trennung so nicht gab und sehr wohl
deutliche Unterschiede belegbar sind.
Um aufzuzeigen, worin diese Unterschiede bestehen, müssen
zwei Dinge herausgestellt werden, auf diese Weise kann
analysiert werden, wie die Geschlechter und ihre Abbilder im
Kapitalismus konstruiert werden. Zum einen ist eine Darstellung
der historischen Entwicklung und Veränderung der
Geschlechterrollen notwendig, denn nur so kann aufgezeigt
werden, welche anderen Rollenbilder möglich waren. Auf der
anderen Seite muss auch erklärt werden, warum eine
kapitalistische Gesellschaft gerade diese
Geschlechterkonstruktionen benötigt, wie diese entstanden sind
und warum diese auch bis heute noch reproduziert werden.

Dienstag, 03.05.2011 19:00 Uhr
INFOLADEN KARLSRUHE

in Kooperation
INPUT Jugendbildungsnetz der Rosa Luxemburg Stiftung

Werderstr. 28, Karlsruhe

Veranstaltung Stalinismus – Terror und Traum

Category: Allgemein — admin @ 19:53

Stalinismus- Terror und Traum
Wie konnte es dazu kommen, dass der
Versuch von 1917 ff. eine befreite Gesellschaft,
ja den Kommmunismus zu errichten, nicht nur
scheiterte, sondern in einer Katastrophe mit
Millionen von Toten endete, unter denen nicht
zuletzt viele der Revolution är_innen selbst
waren?
Neben einer Auseinandersetzung mit dem (auch
antikommunistischen Kampf-) Begriff
“Stalinismus” soll die Entwicklung in der
Sowjetunion nach der Oktoberrevolution bis zum
Tode Josef Stalins ausführlich nachgezeichnet
werden. Daneben werden auch die
wirtschaftlichen Grundlagen von Stalins
Sozialismus-Modell und seine Ideologie kritisch
behandelt. Diskutiert werden soll zum Abschluss
die Frage wie eine friedliche Welt, frei von
materiellen Nöten gegen den gewaltförmigen
Kapitalismus erreicht werden kann.

Mittwoch 11.05.2011 19:00 Uhr
INFOLADEN KARLSRUHE

in Kooperation
INPUT Jugendbildungsnetz der Rosa Luxemburg Stiftung

PLANWIRTSCHAFT
Werderstr. 28, Karlsruhe

24. Februar 2011

“90 Jahre Mitteldeutscher Aufstand”

Category: Allgemein — admin @ 22:13

Sonntag 10.04.2011 Planwirtschaft 19:30

Im März 1921 kam es im Industriegebiet um Halle/Merseburg und dem Mansfelder Land (heute Sachsen-Anhalt mit angrenzenden Gebieten Thüringens und Sachsens) zum letzten großen bewaffneten Aufstand in Deutschland. In der DDR galt dieses Ereignis als bedeutende historische Tat, freilich nur in der sehr eigenwilligen Interpretation der SED. Heute hingegen kommt der Aufstand in der Geschichtsschreibung kaum noch vor – was politisch erklärbar ist, liegt dieses linksradikale Ereignis doch quer zu vielen gesellschaftlichen Entwicklungen. Es geht um Gestalten wie Max Hoelz oder Karl Plättner, die erklärte Feinde des Kapitalismus waren und nicht von Parteilinken vereinnahmt werden können.

Bernd Langer forscht bereits seit Jahren zu den Ereignissen dieser Zeit und hat es sich zum 90. Jahrestag des Mitteldeutschen Aufstandes zur Aufgabe gemacht, dessen Hintergründe zu erhellen und seine Protagonisten vorzustellen.

20. Januar 2011

Birkenau und Rosenfeld – ein Filmabend zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Category: Allgemein — admin @ 20:18

Do, 27.01.11 – 20 Uhr Planwirtschaft

Anlässlich des 66. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz zeigt der Infoladen Karlsruhe den Film „Birkenau und Rosenfeld“. Der Spielfilm aus dem Jahr 2004 begleitet Miriam, eine Auschwitzüberlebende, die 50 Jahre nach der Befreiung in das ehemalige Vernichtungslager reist.

Birkenau und Rosenfeld ist ein Film über Auschwitz aber kein Film über die Vergangenheit. Es geht vielmehr um Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Indem die Zuschauer/innen in die Gedankenwelt Miriams einbezogen werden, wird erkennbar, wie schwierig, schmerzhaft und fragmentiert die Erinnerung ist. Der Film verdeutlicht aber auch, dass Erinnern und Gedenken keineswegs dasselbe sind und durchaus im Widerspruch zueinander stehen können.

Nach einer kurzen Einführung zeigen wir den Film – im Anschluss gibt’s Gelegenheit zu Austausch und Diskussion